Die drei U-Bahnhöfe der U5 – Kanzler-U-Bahn in Berlin

Während der Pandemie bleiben die öffentlichen Verkehrsmittel vom Besucheransturm auf die Hauptstadt verschont. Mitunter lohnt sich ein Besuch der neuen U-Bahnhöfe auf der Strecke der U5. Insgesamt sind es drei neue U-Bahnhöfe, wovon zwei bereits fertiggestellt worden sind und der dritte U-Bahnhof „Museumsinsel“ wird voraussichtlich diesen Sommer fertiggestellt.

Die U5 – Kanzler-U-Bahn in Berlin

Die U5 ist bei den Berliner als die Kanzler-U-Bahn bekannt. Sie verbindet den Berliner Osten mit dem Westen. Ohne umzusteigen können die Fahrgäste der BVG mit Tempo 60 km/h vom Berliner Hauptbahnhof bis nach Hönow in Brandenburg fahren. Baustart war am Marx-Engels-Forum. Hier wurde „Bärlinde“ – ein überdimensionaler Bohrer bzw. eine Schildvortriebsmaschine im Mai 2013 in den Boden gelassen, die Maschine misst 74 Meter und hat ein Gewicht von circa 700 Tonnen. An guten Tagen schaffte die Tunnelcrew mit „Bärlinde“ bis zu 20 Meter an Vortrieb. „Bärlinde“ frisst sich wie ein Regenwurm durch Geröll, Schotter und Sandboden, dabei wird vorne gebohrt und hinten werden Teile an Betonröhren aufgebaut. Der eigentliche Tunnelbau findet in der Maschine statt. Nach gut zwei Jahren wurden beide Tunnelanlagen fertigstellt.
Vom Sommer 2013 bis in den Herbst 2015 entstanden zwei 1,6 Kilometer lange Tunnelröhren mit drei Bahnhöfe. Verbaut wurden in beiden Tunnelanlagen mehr als 8,5 Kilometer Schienen und über 6000 Schwellen, verlegt wurden dabei über 250 Kilometer Kabel. Die drei neuen U-Bahnhöfe erhielten ihre persönliche Note durch die Berliner Architekten Büros Collignon, Dudler, Hentschel und Oestreich.

U-Bahnhof „Rotes Rathaus“ in Berlin

Der U-Bahnhof „Rotes Rathaus“ wurde von dem Architektenbüro Collignon entworfen. Collignon ließ sich dabei von dem kurz zuvor entdeckten gotischen Fund des mittelalterlichen Rathauses inspirieren. Dieser grenzt direkt an den U-Bahnhof an. Geplant war ein archäologischer Blick auf die Grabungsstätte. Freigelegt war ein Areal des historischen Deckengewölbes des mittelalterlichen Rathauses. Das vorhaben wurde schnell verworfen, da man die Grabungsstätte hätte trocken legen müssen, um kein beschlagenes Glas oder Algenbildungen auf dem Fenster zu haben. Die baulichen Schwierigkeiten wären mit erheblichen Kosten verbunden gewesen, die die Senatsverwaltung und BVG nicht tragen konnten. Der U-Bahnhof selbst liegt auf zwei Ebenen oben fährt die U5 ein und unten befindet sich eine Aufstellanlage. Bei der Gestaltung des U-Bahnhofs wurden Pilzförmigen Säulen sieben an der Zahl errichtet. Was dem Raum eine zusätzliche Weite gibt.

Die Decken-Bauweise ist eine Art Baumagie. Gebaut wurde von oben nach unten. Als Erstes wurden die sieben Säulenköpfe in die Decke eingefasst. Hierfür wurden besondere Gussformen angefertigt, die beim Bau in die Decke integriert wurden. Die Wandverkleidung besteht aus Beton dem Zuschlagstoffe beigemengt wurden, dieser wurde poliert und lackiert . Bereits in der Antike kannte man diese Technik, das Endprodukt wurde Terrazzo genannt.
Circa 3000 dieser Terrazzo-Platten schmücken den Innenraum des U-Bahnhofs. Jede der Platten ist eine Einzelanfertigung, die keinen einzigen rechten Winkel hat. Der Vorteil dieser Wandverkleidung ist, dass der dahinterliegende Beton gut kontrolliert werden kann –  das anbringen der Platten kostete aber zusätzliche Zeit und gleich einer Sisyphusarbeit, bei einem Bruch der Platten muss diese speziell angefertigt werden.

U-Bahnhof „Unter den Linden“

Der U-Bahnhof „Unter den Linden“ ist ein Kreuzungsbahnhof der drei Ebenen führt, ein Schnittstellenbahnhof für Umsteiger. Entworfen wurde er von den Architekten Ingrid Hentschel und Axel Oestreich, die eine Menge Erfahrungen im Bau eines U-Bahnhofs mitbrachten. Sie hatten bereits das Brandenburger Tor geplant. Der U-Bahnhof „Unter den Linden“ wurde offen gebaut, sodass die Fahrgäste sich bereits über Sicht in dem Gebäude orientieren können. An bestimmten Stellen sieht man die Züge der U6 und U5. Der Zugang zu den Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt wird durch die Bauweise massiv erleichtert. Ausgekleidet wurde der U-Bahnhof „Unter den Linden“ mit bayerischen Muschelplatten, einem Naturprodukt. Diese haben normierte Größen und sind somit schnell austauschbar.

Besonderes Lichtkonzept verworfen

In der Planungsphase hatte das Architektenbüro ein ganz besonderes Lichtkonzept entwickelt, welches Tageslicht in die Räumlichkeiten bringen sollte. Eine in den Gehsteig eingefasste Glasdecke sollte es werden. Diese konnte nicht umgesetzt werden, da beispielsweise Schneefall die Lichtquelle ummantelt hätte. Man weichte auf eine Ausleuchtung mit Hunderten von LED-Leuchten aus, nur ein Teil der U-Bahnhof-Decke lässt erahnen, welche Idee dahinter lag. Der gesamte Raum des U-Bahnhofs gibt dem Fahrgast durch das neue Lichtkonzept ein Gefühl der Weite. Bedenkt man, dass anderer Orts in Berlin die U-Bahnhöfe ein eher unbehagliches Gefühl auslösen, so gleicht der U-Bahnhof „Unter den Linden“ einer mit Licht durchfluteten Kathedrale, die Ruhe an einen unruhigen Ort bringt, der durch den Umstiegsverkehr meist ausgelöst wird.

Im U-Bahnhof und um sein Gelände wurde acht Jahre lang geschaufelt, gebuddelt und geräumt, da einige Höhenmeter zu überwinden waren. Heute fahren die Züge der Linie U5 alle 4 1/2 Minuten in den Bahnhof ein. Der gesamte U-Bahnhof ist mit rund 88 Videokameras bestückt, diese dienen der Einsicht in das Verkehrsaufkommen, der Regulierung des Besucheransturms und zur Sicherheit der Fahrgäste, schließlich sollen circa 160.000 Fahrgäste pro Tag über den U-Bahnhof geschleust werden. Schön sind die zusätzlichen Kameras, die die Lokführerinnen bekommen haben, sie können nun direkt sehen, ob Fahrgäste aus Richtung der U6 und den Rolltreppen kommen.

Sicherheitskonzept der U5 am U-Bahnhof „Unter den Linden“

Ein weiterer Aufwand wurde bei dem Sicherheitskonzept für den Brandschutz ausgetüftelt. Hier wurden Sauganlagen am Bahnsteig der U6, der 5 Meter unter der Oberfläche liegt, eingelassen. Bei Brand zieht der Rauch nach obenhin ab und kann durch die Sauganlage auf den darüber liegenden Gehweg entweichen. Auf der Oberfläche des Gehweges sind Hebevorrichtungen versenkt worden, die den Gehweg partiell heben können. Bei einem Brandfall können die Deckel geöffnet werden und die Entlüftung des gesamten U-Bahnhohfs kann eingeleitet werden. Die U5 liegt 14 Meter unter dem U-Bahnhof der U6 und ist mit einer circa 20 Meter langen Rolltreppe mit dem darüber liegenden Stockwerk verbunden.

Coming soon, der U-Bahnhof  „Museumsinsel“ in Berlin

Noch sind die Bauarbeiten im vollen Gange am U-Bahnhof „Museumsinsel“ – beim vorbeifahren kann der Fahrgast einen ersten Blick auf die Halle erhaschen. Nur so viel sei gesagt, der U-Bahnhof „Museumsinsel“ wird bei den Fahrgästen einen unvergesslichen Eindruck hinterlassen.
Entworfen hat den U-Bahnhof das Berliner Architekturbüro Dudler. Die Inspiration stammt von einem Bühnenbild, welches vom Multitalent Schinkel zu Zeiten des preußischen Kaiserreichs entworfen wurde. Das Bühnenbild wirkt belebend und leidenschaftlich lebendig auf den Betrachter. So soll auch der U-Bahnhof „Museumsinsel“ auf die Fahrgäste der BVG bei Fertigstellung wirken. Ein U-Bahnhof mit Wiedererkennungswert. Schinkel prägte das Berliner Stadtbild durch Architektur und Baukunst. Zu Schinkels Hauptwerken gehörte das „Alte Museum am Lustgarten“.

Der U-Bahnhof „Museumsinsel“ liegt 17 Meter unter der Erde und hat einen auf Gips bemalten blauen Sternenhimmel, der mit 6000 Leuchtpunkten übersäht ist und seine Strahlkraft durch Glasfaser bezieht.

Gebaut wurde der U-Bahnhof unter dem Spreekanal im Jahre 2017, der sandige Boden unter dem Gewässer musste vereist werden. Ein schnelles Arbeiten in einer tiefe von 2,5 Metern unter dem Spreekanal war erforderlich, bevor der 105 Meter lange und 35 Meter breite Eis-Körper anfing zu schmelzen.

Die Feierlichkeiten sollen im Sommer 2021 stattfinden.